Wie halten Sie es mit dem Satz von der Erhaltung der Energie?

Maiskolben
Maiskolben

Wenn über den Klimawandel gesprochen oder gar geschrieben wird, muss streng zwischen umgangssprachlichen und korrekten technisch-physikalischen Ausdrücken unterschieden werden. Dieser Imperativ gilt zwingend auch für die Politik, so die betreffenden Personen sich nicht dem Vorwurf aussetzen wollen, sie verstünden nichts von der Sache über die sie reden oder schreiben. Insofern ist es absolut inakzeptabel, dass inzwischen Ausdrücke der Umgangssprache in Gesetzestexte einfließen.

Man muss folglich nicht nur die Bundeskanzlerin Angela Merkel als promovierte Physikerin, sondern auch viele andere Bundestagsmitglieder mit entsprechendem Hintergrund fragen: „Wie halten Sie es denn mit dem Satz von der Erhaltung der Energie?“ Zwangsläufig sind somit die Redakteure der von der Bundesregierung herausgegebenen Broschüre „Schwarzrotgold“ davon nicht ausgenommen (vgl. Ausgabe 4/2019).

Darüber hinaus sind ganz besonders Wissenschaftler gehalten, sich der Fachsprache im engeren Sinne zu bedienen. Doch wen wundert es, dass die Umgangssprache im wissenschaftlichen Bereich Platz greift, wenn selbst Lehrstuhlinhaber zum Beispiel den Satz von der Erhaltung der Energie in ihren Publikationen ausblenden und über „Energieerzeugung“ schreiben?

Die auch kurz „Energieerhaltungssatz“ genannte physikalische Regel besagt nichts anderes, als dass Energie nicht verbraucht und nicht erzeugt werden kann, denn es handelt sich um eine „Erhaltungsgröße“. Folglich kann Energie auch nicht erneuert, oder wie es inzwischen zunehmend heißt, „regeneriert“ werden. Die von Menschen nutzbare Energie kann nur von einer Form in eine andere verwandelt werden, zum Beispiel Elektrizität in Wärme oder Wärme in mechanische Energie.

Abenteuerlich werden Betrachtung und damit die daraus resultierende Diskussion der sogenannten Energiewende, wenn man einen Blick auf die Listen bestimmter Institute wirft, was dort alles als „regenerative Energien“ bezeichnet wird.

Das gilt besonders für die Definition dieser Energieformen bei EUWID. Dieser „Wirtschaftsdienst“ betrachtet zunächst die Wörter von erneuerbar über alternativ und nachhaltig bis öko als synonym im Sinne von bedeutungsgleich, um dann die mit diesen Adjektiven behafteten Energieformen mit Energieträgern gleichzusetzen. Wenn dann noch behauptet wird, dass einige davon „praktisch unbegrenzt zur Verfügung stehen“ dann ist der Gipfel erreicht.

Um deutlich zu machen, welcher Fehler in der von EUWID getroffenen Definition steckt, nachfolgend ein paar Beispiele:  Wärme, elektrische und mechanische Energie sind Formen der Energie – Kraftstoffe aller Art, aber auch Pflanzen aller Art und die daraus entstehende Biomasse, sind dagegen Energieträger. Insofern ist die Definition völlig falsch, denn dort ist zu lesen: „Erneuerbare Energien, …, sind Energieträger, …“.

Der vermeintlichen Definition der „erneuerbaren Energien“ folgt unter der Überschrift „Arten und Quellen erneuerbarer Energien“ ein Sammelsurium von Energieträgern und Verfahren, die teilweise bestenfalls ein Nischendasein führen, aber weder als nachhaltig noch als wirtschaftlich bezeichnet werden können. Schließlich ist nicht alles, was ökologisch von Bedeutung wäre auch wirtschaftlich umsetzbar.

Derartige Dokumente ins Internet zu stellen ist weder hilfreich noch verantwortlich. Sie verstärken nur den sprachlichen Wirrwarr und heizen somit den medialen wie den kommunikativen Klimakrieg an.

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Hans-Jürgen Reuß
Der Autor betreibt ein Pressebüro mit den Schwerpunkten Schifffahrt, Schiffbau, Schiffbauzulieferindustrie und Schifffahrtsgeschichte.