Container Terminal Erstanlauf der Maren Maersk in Bremerhaven.
Container Terminal Erstanlauf der Maren Maersk in Bremerhaven. © bremenports

Kostenkonkurrenz zwischen Land- und Seetransporten wird schärfer

Zeigt sich besonders bei Chinas „Neuer Seidenstraße“

Die Corona-Pandemie, die nach den Worten von Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen „allen auf die Nerven geht“, hat im gesamten Wirtschaftswesen – national, regional, international – zu Turbulenzen geführt, so auch für die Logistik zu Land und zur See. Insbesondere gilt dies für die Warenströme zwischen Asien und Europa auf Chinas „Neuer Seidenstraße“ (Road and Belt-Initiative), auf dem Landweg durch Zentralasien und Russland nach Europa und auf dem Seeweg von China um Südasien herum und durch den Suezkanal in das Mittelmeer.

Dass China seit 2013 die Schienenwege für den Gütertransport in Richtung Europa ausbaut, macht sich jetzt nach Angaben zuständiger österreichischer, aber auch russischer Experten bezahlt. Während die Container-Schifffahrt ihre Kapazitäten zurückschrauben musste bzw. muss, stiegen die Transporte auf dem Bahnweg. In allen Sparten herrscht Mangel an Frachtraum, nicht nur auf Grund stärkerer Nachfrage Chinas und anderer ostasiatischer Länder nach Waren aus Europa, sondern auch, weil bei der Seefracht künstlich, bei der Luftfracht unfreiwillig Kapazitäten herausgenommen wurden. Die Folge ist eine nie dagewesene Kostenexplosion.

Der Leiter der Studiengänge Logistik und Transportmanagement an der Fachhochschule des Berufsförderungsinstitutes (BFI)  Wien, Andreas Breinbauer , illustrierte dies am Beispiel der Seefracht:  während ein 40-Fuß Container auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise 2009 lediglich zwischen 100 und 150 USD kostete, waren es im China-Europa-Verkehr im März 2020 zu Beginn der Corona-Krise rund 1400 USD, weil die Reedereien in der Corona-Krise ihre Kapazitäten reduzierten. Derzeit würden sogar bis zu 8000 USD gezahlt, mancherorts sogar fünfstellige Beträge, besonders bei Spontanbuchungen. So sind viele Speditionen auf die Schiene ausgewichen. Ähnlich ist es bei der Luftfracht, wo die coronabedingte Streichung tausender Flüge ebenfalls zu einer massiven Verknappung von Frachtraum geführt und so die Preise zeitweise auf das zehnfache des Normalpreises getrieben hat. Sogar die Bahnfrachtverkehr zwischen Asien und Europa geriet laut Breinbauer trotz Implementierung neuer Routen dadurch an seine Grenzen.

Auch auf russischer Seite wird darauf hingewiesen, dass der Schienenverkehr inzwischen preislich mit den Seetransporten konkurrieren könne. So meldete der gemeinsame Containerbetreiber der russischen, weissrussischen und kasachischen Bahnen, OTLK Era, dass 2020 bis 23. Dezember 530.000 Standard-Container (TEU) verladen wurden, während es 2019 noch 333.000 TEU waren. Die preisliche Konkurrenz zwischen Schienenverkehr und Seetransport ist auch darauf zurückzuführen, dass der Landweg durch Zentralasien und Russland nur ein Drittel der Zeit in Anspruch nimmt, in der Schiffe durch den Suezkanal und um Südasien herum in beiden Richtungen unterwegs sind. Dazu kommt noch, dass Russland auch in der gegenwärtigen Krise und vor dem Hintergrund seiner Spannungen mit der EU und daraus resultierender Sanktionen, sowie getrübter Beziehungen zu Frankreich, Deutschland und auch Österreich (in letzterem Fall ist es zur gegenseitigen  Ausweisung von Diplomaten gekommen) den Transport von Sanktionswaren, die ihm selbst vorgehalten werden, erlaubt. Wirtschaftlich hat übrigens die Pandemie in Russland wegen der geringen Verflechtung des Landes in die Weltwirtschaft weniger Spuren hinterlassen als andernorts.

Was Sanktionen bzw. derartige Drohungen gegen China betrifft, die erst dieser Tage von der EU wegen Pekings Behandlung der Uiguren in der Region Xinjiang (Sinkiang)  beschlossen wurden und die auch gewisse US-Kreise in Erwägung ziehen,  ist China inzwischen derart eng mit zahlreichen Volkswirtschaften verwoben, so dass es fraglich ist,  wieweit man Peking damit einschüchtern könne. Sein riesiger wachsender Markt wird für westliche Exporteure immer unverzichtbarer. Vor allem der Austausch medizinischer Präparate und Geräte zwischen China und Europa lief im abgelaufenen Corona-Jahr 2020 auf Hochtouren.  In China selbst ist die Nachfrage nach hochwertigen europäischen Nahrungsmitteln groß.

Allerorts, so auch in Österreich, wird das laufenden Jahr 2021 für Logistikdienstleister und das Transportwesen zu Land und zur See große Herausforderungen bringen: nicht nur durch Nachfrageschwankungen, Insolvenzen von Kunden, Lieferanten und Partnerunternehmen, sondern vor allem auch durch die Digitalisierung.  Von dieser erwarten sich Logistikdienstleister eine Beschleunigung der Transportketten, Zeitersparnis, Kostenreduktion und via „Robotnik“ körperliche Entlastungen von Mitarbeitern, aber auch einen Wettbewerbsvorteil. Beschleunigen werde sich auch der Trend zu Nachhaltigkeit, besonders durch Initiativen der EU für einen „grünen Neustart“, was nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus ökonomischer Sicht zu begrüßen ist. Hingewiesen wurde dabei u.a. auf ein Infrastrukturprojekt Chinas in der Höhe von 80 Mrd. USD vom Jahr 2020 für die Post-Corona-Zeit.