Caterpillar lässt Motorenfertigung 2022 auslaufen

Am 7. Juli 2021 informierte die Unternehmensleitung der Caterpillar Motoren GmbH & Co. die Mitarbeiter des Kieler Werks in einer kurzen Betriebsversammlung mittels einer Video-Botschaft darüber, dass die Produktion der MaK-Motoren bis zum Ende des Jahres 2022 eingestellt wird. Damit verabschiedet sich ein weiteres Unternehmen in Deutschland von der Entwicklung und Herstellung mittelschnelllaufender Diesel- und Gas-Ottomotoren.

Caterpillar Motor
Caterpillar Motor

Wenn Ende des Jahres 2022 in den Caterpillar-Werken von Kiel und Rostock die Lichter ausgehen, dann ist das auch das Ende einer rund hundertjährigen Tradition des Motorenbaus am Standort Kiel-Friedrichsort. Auf dem Gelände der „Kaiserlichen Torpedowerkstatt“, das nach dem Ersten Weltkrieg von den „Deutschen Werken AG“ für die Herstellung ziviler Produkte übernommen wurde, begann man mit der Fertigung von Schiffsausrüstung, unter anderem von Rudermaschinen. Rasch kamen Verbrennungsmotoren hinzu. Der erste Schiffsdieselmotor entstand 1921, also vor genau 100 Jahren.

Die „Caterpillar Incorporated“, in Mossville (USA), übernahm die Geschäftsanteile der aus den Deutschen Werken Kiel AG über mehrere Umfirmierungen 1979 entstandenen „Krupp Maschinenbau GmbH“ 1996. Daraus entstand ein Jahr später die Kommanditgesellschaft „MaK Motoren GmbH & Co.“, deren Name 2005 geändert wurde und die seitdem „Caterpillar Motoren GmbH & Co.“ heißt.

Hundert Jahre Motorenbau, gut 30 Jahre unter der Führung von Krupp und rund 25 Jahre unter der von Caterpillar, das ist schon eine stolze Tradition, zumal in den letzten Jahrzehnten Dieselmotoren entstanden, mit denen das Unternehmen gute Erfolge erzielte. Wie aus Kieler Kreisen zu hören ist, gab es in der jüngsten Zeit allerdings einige Schwierigkeiten, die zu mehrfachen Phasen mit Kurzarbeit und Stellenabbau führten, zuletzt im vergangenen Jahr. Gegenwärtig sind in Kiel 670 Menschen beschäftigt, 120 davon in der selbständigen Gießerei, und 120 in der Motorenmontage in Rostock. Hinzu kommen noch 60 Personen in einem separaten Logistikunternehmen.

Das Unternehmen beabsichtigt, den Service für die im Einsatz befindlichen MaK-Motoren selbst weiterzuführen und nicht, wie dies vor 15 Jahren bei der Deutz AG geschah, diesen Bereich zu verkaufen. Caterpillar ist bekannt für seinen guten Service in allen Branchen, in denen das Unternehmen tätig ist. Bei den MaK-Motoren dürfte die Entscheidung leichtgefallen sein, das Service-Geschäft in der Hand zu behalten, schließlich ist hinreichend bekannt, dass mit Großmotoren – von wenigen Ausnahmen abgesehen – erst über den Service Geld verdient wird. Wie viele Mitarbeiter dann allerdings in Kiel noch beschäftigt sein werden, ist gegenwärtig noch nicht abzusehen. Jedenfalls sollen Teilefertigung und Logistik in Friedrichsort zusammengefasst werden.

Wie schwer es ist, ein Unternehmen zu verkaufen, das Verbrennungsmotoren entwickelt und herstellt, ist an der Situation von MAN Energy Solutions zu erkennen. Die Aufgabenstellung des Aufsichtsrates, sich einen finanzkräftigen Partner zu suchen, hat die Unternehmensleitung – soweit bislang erkennbar – noch nicht erledigt. Ob Caterpillar daran gedacht hat, den Motorenbereich der Marke „MaK“ zu verkaufen, ist nicht bekannt.

Betrachtet man das Motorenprogramm, so konkurrieren die MaK-Motoren nicht mit den Cat-Motoren. Es gibt jedoch einen wesentlichen Unterschied: Caterpillar bedient den Markt ausschließlich mit schnelllaufenden Motoren und Leistungen unterhalb 6.000 kW. Die Mittelschnellläufer der Marke MaK liegen zwischen rund 1.000 und knapp 17.000 kW. Konkurrenten, die denselben Leistungsbereich mit mittelschnelllaufenden Viertaktmotoren abdecken, sind ausschließlich MAN Energy Solutions und Wärtsilä, abgesehen von deren Lizenznehmern. Wenn der Vorgang in Kiel und Rostock abgeschlossen ist, gibt es für die beiden Unternehmen einen Konkurrenten weniger.

Bedeutsamer als weniger Konkurrenz ist der Verlust an Knowhow, das mit der Technik der MaK-Motoren verbunden ist. Und, was nicht übersehen werden darf, das Potential der Schiffbau-Zulieferer schwindet weiter. Das Ganze, verbunden mit völlig unzureichender Kommunikation auf allen Ebenen, lässt leider wieder bestimmte Meinungen über „die Amerikaner“ fröhliche Urständ feiern!