Innovativer Antrieb und herausforderndes Schiffsdesign
Innovativer Antrieb und herausforderndes Schiffsdesign. © Mariko

Hafenrundfahrten in Emden sollen zukünftig CO2-neutral werden. Für einen innovativen Neubau des bisherigen Hafenbootes MB RATSDELFT haben sich die Betreiber-Reederei AGEms aus Emden, die Schiffswerft Diedrich aus Oldersum sowie die MARIKO GmbH aus Leer in einem Innovationsprojekt zusammengetan. Der Neubau soll rein elektrisch fahren, mit Brennstoffzellen ausgerüstet werden und ein innovatives Schiffsdesign zur Anpassung der Durchfahrtshöhe unter Brücken aufweisen. Das innovative Hafenbootprojekt steht dabei im Einklang mit dem Masterplan 100% Klimaschutz der Stadt Emden und der damit angestrebten Treibhausgasneutralität bis 2050.

Methanol – Kraftstoff mit Zukunft

In der Seeschifffahrt ist Methanol als Kraftstoff ein neues und bislang kaum erprobtes Konzept. Saubere Verbrennung, kostengünstig in der Herstellung, weltweit verfügbar und mit dem Potenzial, zu 100 % erneuerbar zu sein – Methanol erfüllt viele Kriterien für die Schifffahrtsindustrie, die mit der zunehmend dringenden Notwendigkeit der Dekarbonisierung ringt. Auch wenn die Umstellung, bzw bei Neubauten, einige Veränderungen an Bord mit sich bringt, ist die Modernisierung eine praktikable Option, wie die RoPax-Fähre STENA GERMANICA, die seit nun sechs Jahren erfolgreich mit Methanol betrieben wird, beweist.

Methanol ist im Vergleich zu HFO teurer. Im Vergleich zu MGO auf der Basis von Energieäquivalenten sehen wir dies als wettbewerbsfähig an. Der Bau eines Schiffs mit Methanol als Kraftstoff ist mit bescheidenen zusätzlichen Kosten verbunden. Im Vergleich zu anderen schwefelarmen Optionen wie Methan sind die Kosten jedoch sowohl für das Bunkern an Land als auch für das Schiff erheblich niedriger. Methanol als flüssiger Kraftstoff benötigt keine Tieftemperaturspeicherung, wodurch es einfach mit der vorhandenen Infrastruktur zu bunkern ist, und erfordert keine zusätzliche Abgasnachbehandlung, um die NOx-Standards der Stufe III zu erfüllen. Das Geschäftsmodell für einen mit Methanol betriebenen Motor ist sinnvoll und die Flexibilität dieser Motoren, mehrere Kraftstoffe zu verbrennen, ist nach Ansicht mehrerer Motorenhersteller, enorm.

Innovation aus Ostfriesland

Für den rein elektrischen Antrieb des neuen Hafenbootes ist vorgesehen, dass die Akkus von zusätzlichen Brennstoffzellen als Range Extender unterstützt werden, um die Rundfahrten eines Tages bewältigen zu können. Dadurch fallen die Akkus kleiner aus und das Gewicht des Hafenbootes kann geringgehalten werden, was wiederum dem Energieverbrauch zugutekommt. Als sauberer Kraftstoff für die Brennstoffzellen soll Bio-Methanol eingesetzt werden. Die Erfahrung mit Methan bei den Umbauten der Borkumfähren OSTFRIESLAND und jetzt MÜNSTERLAND macht den Schritt zu Methanol als einen weiteren alternativen Kraftstoff zu Diesel für die AG Ems leichter. „Die guten Erfahrungen mit Methan bekräftigen uns in dem Schritt, nun auch Methanol in der Reederei einzusetzen“ so Claus Hirsch, Leiter der nautisch-technischen Inspektion der AG Ems.

Bei der Hafenrundfahrt durch den Emder Hafen gilt: Kopf auf dem Achterdeck einziehen. Die niedrigen Klappbrücken nahe der Innenstadt sind ein Engpass der Hafenrundfahrt, der auch beim Neubau des Hafenbootes wesentlichen Einfluss auf das Design hat. Bei einer Durchfahrtshöhe von 1,5m, einem geforderten minimalen Tiefgang des Bootes für kraftstoffsparendes und effizientes Fahren und gleichzeitig volle Stehhöhe im Hafenboot selbst sind Kriterien, die sich schwer vereinbaren lassen. Die angedachte Lösung sieht vor, das Dach des Hafenbootes einfahrbar zu gestalten, um damit die Durchfahrtshöhe zu reduzieren. Gleichzeitig soll das Hafenboot ein Ballastwassersystem erhalten, bei dem durch Aufnahme des Wassers in die Tanks der Tiefgang erhöht und gleichzeitig die Durchfahrtshöhe weiter reduziert wird. Nach der Brückenpassage wird das Wasser wieder aus den Tanks gepumpt und das Dach auf normale Höhe hochgefahren.

Für die Schiffswerft Diedrich stellt das Projekt einen wichtigen Schritt in den innovativen Schiffbau dar. Insbesondere der Einbau des Antriebssystems mit Brennstoffzellen stellt Neuland für die kleine Werft dar. „Wir freuen uns, diesen Schritt gehen zu können, um die Werft so für die Zukunft gut aufzustellen“ so der Geschäftsführer Jens Schädler. Die Werft ist im Rahmen des Projekts mit der Konstruktion und dem Bau des neuen Hafenbootes betraut.

So gibt es zwar schon viele elektrische Rundfahrtschiffe, jedoch nicht in der hier gewählten Kombination mit Brennstoffzellen und „das wird garantiert ein Trendsetter“ so ist sich Claus Hirsch sicher.