ElbBLUE bunkert 20 to synthetischen Kraftstoff in Brunsbüttel
ElbBLUE bunkert 20 to synthetischen Kraftstoff in Brunsbüttel. © MAN ES

MAN Energy Solutions, Elbdeich und Unifeeder setzen in Brunsbüttel Meilenstein für die Maritime Energiewende

Als weltweit erstes Containerschiff hat das 1.036 TEU Schiff ElbBLUE im Elbehafen der Brunsbüttel Ports rund 20 Tonnen an klimaneutralem synthetischen Schiffskraftstoff gebunkert. Bei dem Kraftstoff handelt es sich um synthetisches Erdgas (Synthetic Natural Gas, SNG), das zu 100% aus alternativen Energien gewonnen wurde. Sogenanntes „Grünes SNG“ kommt damit zum ersten Mal in der kommerziellen Schifffahrt zum Einsatz. Die aufgenommene Menge wird die direkten CO2-Emissionen des Schiffs auf seiner Fahrt um rund 56 Tonnen reduzieren.

Frank Schnabel, GF Brunsbüttel Ports
Frank Schnabel, GF Brunsbüttel Ports: „Brunsbüttel ist einer der führenden LNG-Bunkerstandorte an der deutschen Nordseeküste. Die Rahmenbedingungen für LNG-Bunkering, und damit auch für SNG Bebunkerungen, sind bei uns besser als in vielen anderen deutschen Häfen, sodass Reedereien sich bewusst für Brunsbüttel als LNG-Bunkerstandort entscheiden. © Pospiech

Die Wahl des Brunsbütteler Elbehafens für die erstmalige Durchführung einer SNG Bebunkerung wurde bewusst getroffen, nachdem der Hafen der Brunsbüttel Ports GmbH schon mehrfach für Aufmerksamkeit im Bereich LNG-Bunkering gesorgt hatte. Unter anderem fand dort im Oktober 2019 die erste LNG ship-to-ship Bebunkerung in deutschen Gewässern statt. Das Bunkerschiff KAIROS versorgte damals den Laderaumbagger SCHELDT RIVER. Inzwischen sind LNG-Bebunkerungen in Brunsbüttel, sowohl truck-to-ship als auch ship-to-ship, ein regelmäßiger Vorgang.

Nach einem Festakt unter Beteiligung des Umweltministers Schleswig-Holsteins, Jan Philipp Albrecht, und des Koordinators der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, Norbert Brackmann, setzte das Schiff seine Reise nach St. Petersburg fort.

Das verflüssigte SNG wurde in einer Power-to-Gas-Anlage der kiwi AG in Werlte hergestellt und zu 100 % aus alternativen Energien gewonnen. Auf ihrer weiteren Fahrt wird die ElbBLUE von Ingenieuren der MAN PrimeServ, dem After-Sales-Service von MAN Energy Solutions, begleitet.

Das bis vor einigen Jahren unter dem Namen WES AMELIE bekannte Feeder-Containerschiff machte bereits 2017 mit der weltweit ersten Umrüstung seines Hauptmotors auf Gasbetrieb Schlagzeilen. Dafür wurde die ursprüngliche, mit Schweröl betriebene MAN 8L48/60B-Hauptmaschine auf das aktuelle MAN 51/60DF-Viertakt-Aggregat umgerüstet. Als Mehrstoffmotor ermöglicht das Aggregat seither zusätzlich den Einsatz von Methan als Kraftstoff und die Umrüstung führte bereits zu einer erheblichen Senkung der Emissionen aus dem Betrieb des Schiffs. Die ElbBLUE gehört heute der deutschen Elbdeich Reederei und befährt – betrieben vom Charterer Unifeeder – die Nord- und Ostsee.

Wayne Jones, Vorstand für Vertrieb bei MAN Energy Solutions erklärte: „Dies ist ein wichtiges und herausragendes Projekt, mit dem wir den Nachweis erbringen, dass unser Konzept einer maritimen Energiewende technisch trägt. Wir sind überzeugt, dass klimaneutral erzeugte synthetische Kraftstoffe den Weg in eine grüne Schifffahrt weisen. Nun müssen die regulatorischen Voraussetzungen geschaffen werden, damit diese Kraftstoffe dem Markt in Zukunft zu wettbewerbsfähigen Preisen zur Verfügung stehen. Dazu bedarf es gemeinsamer Anstrengungen der gesamten Branche, vor allem aber einer weitsichtigen und entschlossenen politischen Rahmensetzung. Unter anderem muss die Wasserstoffgewinnung über die Power-to-X-Technik in industriellem Maßstab entwickelt werden.“

Stefan Eefting, Senior Vice President und Leiter von MAN PrimeServ in Augsburg, ergänzte: „Heute zeigen wir, dass jedes für den Methanbetrieb nachgerüstete Schiff auch mit grünen Kraftstoffen aus Power-to-X betrieben werden kann – oder mit einem Kraftstoffmix. Dies ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Dekarbonisierung der Schifffahrt und mit Elbdeich haben wir einen großartigen Partner für dieses Projekt. Wenn es darum geht, die zukünftigen Emissionen aus den globalen Lieferketten zu senken, spielen synthetische Kraftstoffe und die Nachrüstung von Motoren eine entscheidende Rolle: Die Umstellung auf den Gasbetrieb reduziert die Emissionswerte eines Schiffs und synthetische Kraftstoffe wie SNG ermöglichen perspektivisch einen 100 % klimaneutralen Betrieb.“

Jens Moje, Geschäftsführer der Reederei Elbdeich: „Es gehört zum Kern der Philosophie von Elbdeich, sich abzeichnende, wirtschaftliche Entwicklungen und Trends zu erkennen und flexibel darauf zu reagieren. Die Dekarbonisierung der Schifffahrtsindustrie ist notwendig und alternativlos, und wird wir sind stolz darauf, uns mit dem heutigen Tag an die Spitze dieser Transformation zu setzen.“

Dr. Hermann Pengg-Buehrlen, CEO der kiwi AG, fügte hinzu: „Unsere e-Gas-Anlage war die weltweit erste Multi-Megawatt-Anlage zur Erzeugung von synthetischem Erdgas aus CO2 und erneuerbarem Strom. Unsere 2021 in Betrieb genommene Verflüssigungsanlage wurde speziell für die Verflüssigung von SNG konzipiert. Wir sind sehr stolz darauf, den weltweit ersten synthetischen Kraftstoff SNG in der Schifffahrt an MAN und Elbdeich zu liefern.“

Power-to-X

Das Power-to-X-Verfahren kann elektrische Energie mittels Elektrolyse in Wasserstoff und darauf basierende weitere flüssige oder gasförmige Kraftstoffe umwandeln. Mit dem Einsatz von alternativen Energien werden diese Kraftstoffe 100 % klimaneutral gewonnen. Die Technik ermöglicht die Nutzung von Grünstrom außerhalb des Stromnetzes und trägt damit entscheidend zur Sektorkopplung bei.