Synthetisches Methan = „SNG“? Ein Widerspruch in sich

Am 29. September erfolgte in Brunsbüttel die weltweite erste Bebunkerung eines
Schiffes mit synthetischem Methan. Eingeladen zu diesem Ereignis hatten
MAN Energy Solutions. Abgesehen davon, dass Kraftstoffe dieser
Art bislang nur in äußerst begrenzten Mengen zur Verfügung stehen, sind
damit einige Fragen verbunden, zu denen es bislang keine befriedigenden
Antworten gibt. Hier ein Kommentar dazu:

Das Erdgas welches wir kennen ist fossiler Natur und besteht überwiegend aus Methan. Erdgas entsteht auf ähnliche Art wie Erdöl und wird daher auch oft mit diesem zusammengefunden. Es bildet sich unter Luftabschluss, hoher Temperatur und hohem Druck aus abgestorbenen und abgesunkenen Kleinstlebewesen (Mikroorganismen, Algen, Plankton).

Ganz im Gegensatz dazu wird synthetisches Methan künstlich hergestellt.

Wie kann man also diesen, künstlich hergestellten, synthetischen Kraftstoff als „Synthetisches Erdgas“ bezeichnen? Ist es nicht wesentlich sinnvoller diesen Kraftstoff beispielsweise als „Synthetisches Methan“ zu bezeichnen? Hier beginnt bereits wieder eine Fehlinformation für die Öffentlichkeit, vergleichbar mit: „LNG-Antrieben“ und dergleichen!

Synthetische Kraftstoffe, die aus CO2 der Luft und Wasser mit Strom produziert werden, verbessern die Treibhausgas-Bilanz massiv. Die weltweite Schifffahrt, Luftfahrt, schwere Baumaschinen, aber auch alle heute im Straßenverkehr zugelassenen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren – für sie bieten synthetische Kraftstoffe die Chance, klimaneutral zu werden. Denn im Unterschied zu herkömmlichen fossilen Kraftstoffen entstehen bei der Verbrennung dieser synthetischen Kraftstoffe keine zusätzlichen CO2-Emissionen.

Und die Reduzierung der CO2-Emissionen steht schließlich weltweit im Fokus

Die Herstellungsverfahren für diese Art von Kraftstoffen sind hinreichend bekannt und seit vielen Jahren erprobt. Der nächste Entwicklungsschritt ist die großtechnische Herstellung dieser Kraftstoffe zu konkurrenzfähigen Preisen.

Was sind die besonderen Eigenschaften des synthetischen Methans?

MAN Energy Solutions schreibt dazu in einem Informationsblatt:

„Je nach Ausgangsbrennstoff kann SNG ein kohlenstoffarmer oder sogar kohlenstofffreier Ersatz für fossile Brennstoffe sein. Aufgrund seiner Zusammensetzung kann es in allen Anwendungen mit Erdgas gemischt und austauschbar verwendet werden. Verflüssigtes oder komprimiertes SNG kann transportiert oder im Gasnetz gespeichert werden. Alle Formen von SNG haben einen gemeinsamen Vorteil: Sie können je nach Verfügbarkeit nahtlos in die globale Gasversorgung integriert werden.

Die Produktionsmethoden lassen sich nach dem Ausgangsmaterial (woraus das Gas besteht) kategorisieren. Wir, die MAN ES, verwenden einen Kraftstoff, der mit der Power-to-Gas-Methode hergestellt wird. Bei dieser Methode wird Strom mit Hilfe von Windkraft für den Betrieb einer Elektrolyseeinheit verwendet, die Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufspaltet. Die Methanisierung erfolgt dann in einem Reaktor unter Zugabe von Kohlendioxid. Daraus wird dann synthetisches Methan produziert.

Die Umweltauswirkungen von SNG hängen von zwei Hauptfaktoren ab: dem Ausgangsmaterial, das zur Herstellung des synthetischen Gases verwendet wird, und dem Kraftstoff, der in der Endanwendung durch das Gas ersetzt wird. Durch die Umwandlung von Strom aus alternativen Energiequellen in SNG wird der Vorteil der kohlenstoffneutralen Energie auf den Schifffahrtssektor übertragen. Der Ersatz fossiler Brennstoffe mit SNG aus einem Power-to-Gas-Reaktor, der auch Kohlenstoff abscheidet, kann 100 % der Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette einsparen.

Bei der Verbrennung von Methan können kleine Mengen in die Atmosphäre entweichen, die in der Summe eine beträchtliche Größe erreichen und dort um ein Vielfaches klimaschädlicher sind als Kohlendioxid. Wir bieten bereits technische Lösungen an, um den Methanschlupf bei unseren Zweitaktmotoren auf vernachlässigbare 0,2 g pro kWh zu minimieren. Bei unseren Viertaktmotoren ist der Methanschlupf in den letzten Jahren kontinuierlich reduziert worden. Moderne Modelle stoßen 50% weniger Methan aus als noch vor 10 Jahren. Unsere technische Abteilung verfolgt mit Nachdruck verschiedene Ansätze, um den Methanschlupf von Viertakt-Gasmotoren in den nächsten Jahren weiter zu minimieren.“

Die ElbBLUE ist mit einem MAN 4-Taktmotor ausgerüstet worden. Eine Aussage über den gegenwärtigen Methanschlupf an dem Motor fehlt (die Red.)

Grundsätzlich ist die Nutzung von synthetischen Kraftstoffen im Sinne der CO2-Reduzierung zu begrüßen – allerdings bleiben immer noch Fragen offen wie z.B.:

  • Haben wir genügend überschüssige elektrische Energie verfügbar, um heute schon den Strom für die Synthese zu verwenden?
  • Wie hoch ist der Strombedarf pro Tonne synthetischen Methans?
  • Woher kommt das Kohlendioxid? Vernünftigerweise aus der Luft und nicht aus Biogasanlagen, die man verbessert, in dem deren CO2 abgenommen wird.
  • Ist das Einfangen des CO2 aus der Luft großtechnisch gelöst? Warum wird es nicht grundsätzlich angewendet?

die während des Events in Brunsbüttel nicht, bzw ungenügend angesprochen wurden.

Dr. Hermann Pengg, Vorstand der kiwi AG aus Werlte in Niedersachen, sagte gegenüber den geladenen Gästen: „Zurzeit liegen wir bei dem Erzeugerpreis des synthetischen Gases noch über dem Herstellungspreis von LNG; das wird sich aber mit zunehmender Menge angleichen wenn nicht sogar minimeren,“ und weiter: „Unsere e-Gas-Anlage war die weltweit erste Multi-Megawatt-Anlage zur Erzeugung von synthetischem Methan aus CO2 und erneuerbarem Strom. Unsere 2021 in Betrieb genommene Verflüssigungsanlage wurde speziell für die Verflüssigung von SNG konzipiert. Wir sind sehr stolz darauf, den weltweit ersten synthetischen Kraftstoff in der Schifffahrt an MAN und Elbdeich zu liefern.“