Rechtzeitig zur SMM 2021, die allerdings nur online stattfand, erneuerte der NABU seine Forderungen nach mehr „effektivem Klimaschutz auf See“. Umweltschutz tut Not, darüber besteht absolut kein Zweifel, und das betrifft selbstverständlich auch alle Bereiche der Schifffahrt.

Wenn nun der NABU schreibt, dass „der Sektor bisher weitestgehend von gesetzlichen Vorgaben zur Treibhausgasminderung verschont geblieben ist“, dann ignoriert er zum Beispiel alle Regelungen der letzten Jahre zur Minderung der Stickoxid-Emission, wie die der Senkung des Schwefelgehalts im Kraftstoff. Wenn er weiter schreibt, dass der Sektor „von sich aus keinerlei erkennbare Anstrengungen zur CO2-Reduktion unternimmt“, so ist das schlicht falsch. Schließich hat die IMO im Frühjahr 2018 der maritimen Wirtschaft die Ziele für die Jahre 2050 und 2100 gesteckt. Ob und mit welchen Maßnahmen sie zu erreichen sind, ist eine ganz andere Frage.

Davon abgesehen bietet die Schiffbau-Zulieferindustrie seit vielen Jahren technische Lösungen zur Minderung von Schadstoffemissionen an, und Werften und Reedereien haben dieses Angebot mit Nachrüstungen der Schiffe und für Neubauten durchaus angenommen. Doch wie in allen anderen Bereichen des Güter- und Personentransportes bestimmt auch hier die Wettbewerbsfähigkeit, welche Investitionen getätigt werden.

Worum geht es dem NABU eigentlich? Nach Aussage einer Pressemitteilung des Verbandes vom 6. Januar 2021 ist die „Schifffahrt verantwortlich für knapp 3 Prozent der globalen Klimagase“. Die jüngsten Studien der EU und der IMO nennen dagegen nur 1,9 bzw. 2 Prozent Anteil an der globalen CO2-Emission für die Weltschifffahrt, die größenordnungsmäßig etwa 95 Prozent aller Güter transportiert. Mal abgesehen von der Differenz zwischen den Prozentsätzen, würde man, falls es nach dem NABU ginge, die Schifffahrt klimaneutral machen, so wäre das Ergebnis lediglich ein Drehen an Stellschrauben!

Selbstverständlich müssen die mit der Schifffahrt verbundenen schädlichen Emissionen gesenkt werden, doch sollte das mit Augenmaß und weniger Hysterie erfolgen, als dies zurzeit üblich ist. Nicht nur die Industrie, sondern auch die Fachverbände und selbst die Hochschulen und wissenschaftlichen Institute gefallen sich in einem Populismus, der fatale Folgen für die Medien und den Journalismus hat.

So waren die zur SMM veröffentlichten, völlig unangemessenen Forderungen des NABU einen Tag später wie ein Fachbericht im „Täglichen Hafenbericht“ (THB) zu lesen – ohne jeden kritischen Kommentar. Folglich konnte man als Leser zu dem Eindruck kommen, die Redaktion stimme dem NABU ohne Einschränkungen zu. Eine Woche später gab es im THB allerdings einen, wenn auch nur recht moderaten Kommentar aus einem Wirtschaftsverband dazu, der die Aussagen des NABU nicht unwidersprochen lassen wollte.

Wesentlich kritischer als die Veröffentlichung im THB sind verschiedene Aussagen zu werten, die im unmittelbaren Zusammenhang stehen und nach der Online-SMM im Abschlussbericht zu lesen waren.

Da können „die Akteure aus Reedereien, Werften und Zulieferunternehmen“ noch so lange „an einem Strang ziehen“, da kommt kein klimaneutraler Kraftstoff heraus! Und wenn man bei einer Reederei meint, “es fehle schlicht an geeigneten Brennstoffen“, so ist das ebenso schlicht falsch. Geeignete Kraftstoffe gibt es, die müssen auch nicht mit Steuermitteln erst erforscht werden, wie angeblich ein “Austausch zwischen NGOs und internationaler Schifffahrt“ ergeben hat. Was fehlt, ist unverändert ein Ansatz zur Schaffung einer entsprechenden Infrastruktur für die geeigneten Kraftstoffe und die Bereitschaft, diese zu finanzieren. Nun den „Schwarzen Peter“ der Mineralölindustrie zuzuschieben, ist absurd.

Diese Unternehmen können zwar dazu beitragen, das Angebot an alternativen Kraftstoffen zu verbessern, lösen können sie das grundsätzliche Problem nicht allein. Die häufig beschworene Flexibilität beim Kraftstoff ist technisch wie wirtschaftlich keine Lösung. „Diverse Optionen“, die man „wie Puzzlesteine kombinieren“ kann, sind für die Branche absolut keine Alternative. Das sollten auch Vorstandsmitglieder von Reedereien eigentlich wissen.